Foto © Alexander Geh

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Als Hüttengast

In den norwegischen Gebirgsregionen verteilen sich über 500 Hütten, in denen Wanderer übernachten können. Gut 480 gehören zum Hüttennetz des nationalen Wandervereins DNT (Den norske Turistforening). Die hytter werden dank Spenden, Mitgliedsbeiträgen und ehrenamtlicher Arbeit gebaut, versorgt und instand gehalten. In eher abgelegenen Regionen stehen sie mitunter offen; meistens benötigen die Gäste aber den DNT-Generalschlüssel, den jedes Mitglied gegen eine geringe Gebühr plus Kaution erwerben kann, zurzeit auch in Deutschland. Um in einer DNT-Hütte zu übernachten, muss zumindest eine Person einer Wandergruppe Mitglied im DNT sein; für die anderen gelten erhöhte Übernachtungsgebühren. Nur die wenigsten Hütten sind übrigens mit Personal besetzt.

 

Bewirtschaftete Hütten

Betjente hytter rentieren sich nur in stark frequentierten Gebieten. Liegen sie an öffentlichen Straßen, kann es sich sogar um komfortable Berghotels handeln, doch es kann nicht überall von Hotelkomfort ausgegangen werden. Jedenfalls müssen sich die Gäste nicht um ihre Mahlzeiten kümmern. Die meisten bewirtschafteten Hütten haben nur in der Sommersaison, einige auch im Winter oder an Ostern, sofern vor Ort Skipisten oder Loipen verlaufen. Außerhalb der Saison stehen in der Regel separate Gebäude zur Selbstbewirtschaftung zur Verfügung.

 

Hütten zur Selbstbewirtschaftung

Selvbetjente hytter sind am häufigsten vertreten. Es kommt uns Gästen manchmal vor wie aus einer unglaublichen Welt, einer Welt ohne Eigennutz und voller Vertrauen: zünftige, teilweise urgemütlich und liebevoll eingerichtete Hütten, in denen die Gäste so gut wie alles vorfinden, was sie für die nächsten Stunden brauchen: Schlafplätze zum Übernachten, Brennholz zum Heizen des Ofens, Kochstelle und Kücheninventar zum Zubereiten von Mahlzeiten sowie jede Menge Praktisches und Zierrat, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Aus einer Speisekammer kann Proviant nachgekauft werden. Bezahlen ist Ehrensache. Hüttenwarte schauen regelmäßig nach dem Rechten.

 

Unbewirtschaftete Hütten

Ubetjente hytter unterscheiden sich von den Hütten zur Selbstbewirtschaftung vor allem darin, dass sie über keine Speisekammer verfügen; ebenso kann eine solche Hütte ohne jedes Bettzeug sein. Ansonsten ist die übliche Einrichtung gegeben, in der Regel auch eine Kochstelle; nur ist der Proviant eben selbst mitzubringen. Unbewirtschaftete Hütten sind besonders im dünn besiedelten Norden des Landes anzutreffen. Am besten informiert man sich bei der zuständigen DNT-Regionalgruppe über die Ausstattung der Hütten, damit man zum Beispiel weiß, ob ein Zeltschlafsack benötigt wird.

 

Hüttenleben

Bei Ankunft gilt: Eintragung ins Hüttenbuch. Die Standardhütte verfügt über mehrere Schlafzimmer mit 2–6 Betten sowie über einen größeren Raum, in dem Matratzen ausgelegt sind. Familien mit Kindern sowie Senioren sollten Vorrang bei der Belegung der Schlafgelegenheiten haben. Laken und bezogenes Bettzeug sind vorhanden, so dass die Wanderer nur einen Hüttenschlafsack benötigen. Die Kochstelle wird mit Gas betrieben; Gasflaschen als Ersatz stehen im Schuppen bereit, wo auch Brennholz lagert und gehackt werden kann. Die Toilette befindet sich meistens außerhalb der Hütte, bei den neueren Bauten mitunter dank geruchshemmender Späne auch in der Hütte oder über Vorplatz/Veranda erreichbar. Stahleimer sind für das Befüllen mit Trinkwasser vorgesehen: am nahen Bach, See, selten aus einem Schlauch mit Hahn. Wasser aus stehenden Gewässern sollte zur Vorsicht abgekocht werden. Für das Ausgießen von Schmutzwasser ist eine markierte Stelle außerhalb der Hütte vorgesehen. Müll sollte im Ofen verbrannt bzw. so wenig wie möglich hinterlassen werden. Wer nur wenige Tage unterwegs ist, nimmt ihn einfach mit. Bezahlt wird für Übernachtung und entnommene Lebensmittel entweder bar oder per Formular mit Kreditkartenangabe; dafür ist eine Art Safe montiert. Vor dem Verlassen ist die Hütte zu reinigen, die Utensilien befinden sich vor Ort. Die Hüttengäste teilen sich die Arbeit und hinterlassen die Hütte noch einen Tick einladender, als sie sie vorgefunden haben.

 

Dugnad – ohne Ehrenamt kein Hüttensystem

Angenommen, eine DNT-Regionalgruppe beschließt, eine neue Hütte zu errichten oder eine bestehende zu renovieren. Dann kann es sich keine Organisation leisten, Handwerker im Fjell abzusetzen und deren satte Stundenlöhne zu bezahlen. Nein, der Heli, der das Material zum Bauplatz bringt, wird schon teuer genug sein. Im Fall des Neubaus wird eine Gruppe freiwilliger Helfer ordentlich beladen zum Bauplatz pilgern, ein Großraumzelt errichten und loslegen. Die handwerklich begabten Teilnehmer bauen die Hütte, die anderen arbeiten ihnen zu, sorgen für Verpflegung und das Drumherum. Das ist:dugnadsarbeid: freiwillige, unent­geltliche Arbeit, um etwas für andere und mit anderen zu verwirklichen.

Nun ist es mit der fertigen Hütte nicht getan, müssen in den Folgejahren u.a. Gasflaschen hin- und volle Fäkalientonnen weggebracht werden. Für Schwertransporte eignet sich der Winter, wenn Schneescooter einzuset­zen sind. Aber die Schneescooter müssen be- und entladen, nötige Reparaturen an und in der Hütte vorgenommen werden. Mehr als 460.000 Stunden dugnadsarbeid hat der DNT neulich in einem Jahr gezählt. Nicht zu vergessen das fürsorgliche Engagement der Hüttenwarte… Dugnad ist ein glänzendes Beispiel für den Gemeinsinn in Skandinavien.

 

DNT-Mitgliedschaft

Bei gut 240.000 Mitgliedern sind fast 5 % der NorwegerInnen im DNT, davon rund 10 % Kinder. Auch Ausländer können DNT-Mitglied sein, was sich im Fall einer Hüttenwanderung bereits nach 3–4 Übernachtungen rentiert. Deutsche sind in der günstigen Situation, dass sie die Mitgliedschaft über ei­ne DNT-Repräsentanz in Münster regeln können. Die Jahresmitgliedschaft einer/s Erwachsenen kostet 2015 umgerechnet 78 Euro. Verminderte Beitragssätze gelten für weitere erwachsene Haushaltsmitglieder, Junioren (19–26 Jahre), Jugendliche (13-18), Kinder (bis 12) und Senioren. Die Mitgliedschaft gilt für ein Jahr und verlängert sich nicht automatisch. Die DNT-Repräsentanz in Deutschland betreut eine ausgebildete Tourenleiterin, zu erreichen über: www.huettenwandern.de