Foto © Anders Gjengedal - Visitnorway.com

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Mit dem Zelt

Pro und contra Zelt

Für das Übernachten im Zelt sprechen mehrere Gründe, allen voran die Unabhängigkeit, an selbst entdeckten besonders schönen Orten zu zelten, und davon gibt es in Norwegens Natur eine reichliche Auswahl. Und da es Platz genug gibt, lässt sich dieser Ort in aller Ruhe und Intensität erleben, solange andere dabei nicht gestört werden. Ein weiterer Grund ist finanziell bedingt, denn Norwegen ist nicht das billigste Reiseland und die Zeltübernachtung in freier Natur kostet nichts, abgesehen vom Anschaffen der Ausrüstung, die freilich auch ins Geld gehen kann.

Wer sich diese Unabhängigkeit bewahren will, muss allerdings wesentlich mehr schleppen: außer dem Zelt, der Kochausrüstung und kompletten Verpflegung auch einen (im Vergleich zum Hüttenschlafsack) voluminösen, schwereren Zeltschlafsack plus Unterlage. Außerdem gibt es Norwegen Gegenden, die sich nur bedingt für Übernachtungen im Zelt eignen, etwa in niederschlagsreichen küstennahen Gebieten, wo die Pfade auch weite Feuchtgebiete durchqueren, oder in höheren Regionen mit steinigem Untergrund. Natürlich gibt es Abgehärtete, die überall zu zelten bereit sind, selbst auf Fels und Schrägen – der Erlebniswert kann zugegeben individuell und sehr verschieden ausfallen.

Es besteht übrigens die Möglichkeit, nahe einer DNT-Hütte zu zelten, wofür dann eine geringere Übernachtungsgebühr (als für die Hüttengäste) fällig wird und, sofern es sich um keine bewirtschaftete Hütte handelt, deren Infrastruktur mitbenutzt werden kann.

 

Allemansretten – das sog. Jedermannsrecht

Das Allemannsretten stammt aus einer Zeit, in der Reisende im Allgemeinen nicht zu ihrem Vergnügen unterwegs waren und sich niemand mit dem Problem steigender Touristenzahlen befassen musste. Es erlaubte, über das Land anderer zu gehen, wenn keine alternativen Wege da waren. Wurde der Reisende von der Dunkelheit eingeholt oder von schlechtem Wetter überrascht, durfte er auf dem Grund und Boden anderer übernachten. Er durfte sich von der Natur ernähren, wilde Beeren und Pilze sammeln und für den Eigenbedarf nicht geschützte Blumen pflücken.

Obwohl sich die Zeiten geändert haben, wird das Allemannsretten in Nor­wegen (und Schweden) noch immer recht groß­zü­gig gehandhabt. Leider haben verantwortungslose Zeitgenossen diese großzügige Regelung in die Schlagzeilen gebracht: Bäume müssen als Brennholz herhalten, Entenküken als Grillauflage, Müll wird an Rastplätzen zu­rück­gelassen. Offensichtlich als »Jedermanns Recht, in der Natur zu tun und zu lassen, wozu man gerade Lust hat« – so scheinen die Verursacher solcher Eskapaden das Allemannsretten für sich selbst auszulegen. D­arum lesen es die Skandinavier auch nicht (mehr) gerne, dass in deutschsprachi­gen Publikationen der Begriff »Jedermannsrecht« für das Allemannsretten verwendet wird, denn er begüns­tigt einfach zu viele Miss­verständ­nisse in sich. Rücksichtsloses Verhalten beruht oft auf Unkenntnis oder auf Fehlinfor­mation und weniger auf bösem Willen. Deshalb sollen im Folgen­den die Pflichten des Allemannsretten skizziert werden, damit Sie vor Ort mithelfen können, den Fortbestand dieses Rechts zum Gemeingebrauch der Natur für möglichst lange Zeit zu sichern.

Es ist darauf zu achten:

  • ohne Einwilligung des Grundbesitzers nicht länger als einen Tag auf unbebautem Grund zu zelten; Gruppen müssen prinzipiell die Genehmigung einho­len. Es ist ein Mindestabstand von 150 m zu benachbarten Gebäuden zu wahren;
  • keinen störenden Lärm zu verursachen;
  • auf Felsgestein kein Feuer zu machen, da es bei großer Hitze zersprin­gen und/oder sich verfärben kann;
  • nicht Bäume und Büsche zu fällen, Äs­te oder Zweige abzubrechen, Borke oder Rinde abzuschälen. Das gilt auch für entwurzelte Bäume;
  • Pflanzen unter Naturschutz weder zu pflücken noch auszugraben;
  • keine Tiere zu jagen, zu fangen, zu töten oder auch nur zu stören;
  • keine Vogelnester, Baue und Nist­höhlen zu beschädigen, Vogel­eier zu entnehmen und Jungtiere zu behelligen;
  • nicht ohne Erlaubnisschein und Kenntnis der lokalen Regeln zu angeln;
  • bestellte Äcker und Felder, eingezäuntes oder anderweitig abgegrenz­tes Terrain nicht zu betreten. Eingefriedetes Weideland darf nur überquert werden, wenn das Vieh nicht gestört wird, Zäune nicht beschädigt sowie Gatter nach dem Passieren wieder geschlossen werden;
  • wo und wie Abfall entsorgt wird: Das Vergraben ist eine schlechte Lösung, da es Tiere gibt, die den Abfall wieder ausgraben und sich an scharfkantigen Konservenbüchsen oder Scherben verletzen können.
  • Zeltschläfer sollten ihre Exkremente vergraben.