Foto © Alexander Geh

Orientierung

Norwegische Pfade sind – und das ist für viele Wanderer ein willkommenes Merkmal, – nicht stets und überall ausgetreten und ohne weiteres erkennbar. Auf Felsbahnen gibt es selten Spuren, in Feuchtgebieten sind ohne Holzbohlen hin und wieder Umgehungen nötig und in manchen Gegenden können Schafspfade für zusätzliche Verwirrung sorgen.

 

Markierung

Wie gut, dass die große Mehrheit der Wanderwege vom umtriebigen Verein DNT und seinen regionalen Verbänden markiert worden ist, über 22.000 Kilometer insgesamt. Standard ist das rote T oder ein roter Klecks auf Felsen oder an Bäumen, je nach Untergrund auch ein Holzpfosten, dessen Spitze rot angepinselt ist. Die bekannten Steinmänner, -türme und -pyramiden in den Höhenlagen sind in der Regel von gewöhnlichen Wanderern zusammengetragen worden, sind aber damit auch ein günstiger Ort, um eine Markierung anzubringen. In den mittleren und tieferen Lagen fällt es im Herbst mitunter schwer, rote Markierungen in der Vegetation zu erkennen. Die Pfade werden »gewartet«, verwitterte Pfosten ausgetauscht. Das geschieht wohlgemerkt ehrenamtlich, kann nicht lückenlos sein und enthebt die Wanderer nicht ihrer Sorgfaltspflicht.

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Karte und Kompass

Auch im digitalen Zeitalter bieten topografische Karte und Kompass den sichersten Begleitschutz in Sachen Orientierung. Ein elektronisches Gerät kann ausfallen, eine Topo-Karte in einer regenfesten Schutzhülle bleibt präsent.
Skandinavische Lokalzeitungen berichten regelmäßig über Zeitgenossen, die nur mit einem Handy auf Tour gegangen sind. Und plötzlich war der Akku leer, die Deckung weg, Karte und/oder Navigationshilfe damit ausgefallen. Aufwändige Rettungsaktionen etwa per Helikopter sind teuer und belasten besonders im Fall fahrlässigen Verhaltens empfindlich das Reisebudget.
Wer einen Kompass mitnimmt, sollte freilich auch mit ihm umgehen können; ein Test in heimatlichen Gefilden ist immer besser als das erste Mal am Reiseziel, dann womöglich unter ungünstigen Umständen.

 

Elektronische Hilfsmittel

Als zusätzliches Hilfsmittel bei der Orientierung spielt das GPS-Gerät die größte Rolle, wobei der Funktionsumfang modellabhängig ist: Eine hilfreiche Funktion ist das Tracken der Route unterwegs, womit man sich in kniffligen Situationen, die eine Umkehr erfordern, via »BackTrack« alias »TrackBack« zum Ausgangspunkt leiten lassen kann; ebenso kann für etwaige Helfer der aktuelle Standort ermittelt werden.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Tourenvorbereitung, indem bestimmte Wegpunkte einer Route unter Verwendung topografischer Karten bereits zu Hause am Computer eingegeben und auf das GPS-Gerät übertragen werden können; das ist aber zeitintensiv, und wer Karten auf dem Gerät haben will, muss noch tiefer in die Tasche greifen. Jede/r muss für sich selbst abwägen, ob die Kosten und der Zeitaufwand (das passende Gerät zu finden, es zu beherrschen und für die Tourenvorbereitung einzusetzen) die Investition wert sind. In schwierigem Gelände, etwa im Bereich von Abgründen, kann die 10-Meter-Toleranz bei der Bestimmung des Standorts oder beim Anpeilen des nächsten Wegpunkts viel zu hoch sein, um sich zum Beispiel bei schlechten Sichtverhältnissen fortzubewegen. Ebenso können steile Felswände vorübergehend den Empfang beeinträchtigen. Und schließlich kann das kleine Display immer nur einen Ausschnitt der Strecke anzeigen, aber kaum die gesamte Distanz wie auf einer Topo-Karte, womit das Gespür für Terrain und Entfernungen erfahrungsgemäß getrübt wird.

Mittelfristig dürfte das vielseitige Smartphone dem GPS-Gerät einige Marktanteile abnehmen. Aber vorläufig sind viele Fragen zu klären, bevor es beim Wandern die Orientierung unterstützen soll: Sind Gehäuse und Display für den Outdoor-Einsatz im hohen Norden geeignet? Wie lange hält der Akku bzw. kann der Akku ausgetauscht werden? Gibt es eine GPS-Funktion? Ist geeignete Kartensoftware vorinstalliert? Benötigt man unterwegs eine kostenpflichtige Online-Verbindung, um Karten zu verwenden? Werden auf den Karten überhaupt Wanderrouten angezeigt? Steht eine App zur Verfügung, die das Navigieren im Gelände unterstützt, auch im Zusammenspiel mit der obligatorischen Papierkarte? Lohnt sich der ganze Aufwand, dies alles abzuklären und ggf. in eine Neuanschaffung zu investieren oder gönnt man sich stattdessen einen Tag mehr Urlaub?

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