Foto © Anders Gjengedal - Visitnorway.com

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Olavsweg

Fast schon vergessen, erfuhr der Pilgerpfad Olavsweg Ende der 1990er Jahre eine Renaissance, als der Hype um den Jakobsweg international Kreise zog. Der Namensgeber König Olav II. Haraldsson (995–1030) hatte das Christentum im Land verbreitet, allerdings weniger als Missionar, sondern vor allem mit brachialen Methoden. Als er in einer Schlacht den Tod fand, errichtete man über seinem Grab den Nidarosdom. Nidaros war damals der Name von Trondheim, das als religiöses Zentrum und zeitweise Königssitz bis 1299 sogar Landeshauptstadt war. Nach Olavs Tod begannen sich zahlreiche Geschichten um sein Wirken zu verselbständigen, die zunächst mit jeder Generation eindringlicher ausgeschmückt wurden und längst zum Kulturgut Norwegens zählen.

 

Der Olavsweg verbindet über knapp 650 Kilometer Oslo mit Trondheim. Landschaftlich herausragende Regionen sind der Mjøsa-See, das Gudbrandsdal und das Dovrefjell.

Auf Norwegens größtem See, dem 117 km langen Mjøsa, verkehrt im Sommer der altehrwürdige Skibladner, ein Schaufelraddampfer aus dem Jahr 1854. Das für norwegische Verhältnisse liebliche Gudbrandsdal ist mit seinen Wäldern und landwirtschaftlichen Zonen der klassische Hort norwegischer Bauernkultur; sogar ein eigenwilliges Ziegenkäseprodukt trägt seinen Namen.

Im Dovrefjell, wo der Olavsweg bis auf 1.400 m ü.d.M. ansteigt, behaupten sich bis in den Sommer hinein Schneefelder. Und hier leben gut 200 Moschusochsen, zottelige Tundrabewohner und Nachkommen einer Herde aus Grönland, die in den 1950er Jahren vor Ort ausgesetzt wurde. Die Tiere sind friedlich, doch ein Sicherheitsabstand von 200 Metern sollte gewahrt werden. In diesem rauen, kaum besiedelten Hochland stoßen die Pilger am ehesten an ihre körperlichen Grenzen, zumal die Etappen in der Regel 20 bis 30 Kilometer lang sind.
Eine besondere Station kurz vor Trondheim ist Løkken im Orkdal, wo die Schmalspurbahn Thamshavnbanen die Erinnerung an den 1974 eingestellten Erzgrubenbetrieb bewahrt und im Sommer als Museumsbahn bis an den Fjord verkehrt.

Foto © Asgeir Helgestad/Artic Light AS/visitnorway.com

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Foto © Alexander Geh

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Wer spirituelle oder religiöse Erfahrung sucht – sie stellt sich von ganz alleine ein. Mehrfach werden Thingstätten passiert, wo zur Wikingerzeit Recht gesprochen wurde und verbliebene gesetzte Steine einen Hauch von Mythos ausströmen sollen.
Ebenso liegen einige von landesweit 28 erhaltenen Stabkirchen am Weg: nordische Holzbaukunst ohne einen Nagel, die aus der Übergangszeit zum Christentum stammt und darum häufig mit heidnischen Symbolen wie Schlangen- und Drachenköpfen verziert ist. Es gibt unterwegs eigens Info-Stellen für die Pilger, und auch einige Unterkünfte steuern ihren Anteil zum Besinnlichen bei, indem Gebetsräume ebenso wie karg eingerichtete Lager ohne Dusche und mit Außenklo die Wanderer dabei unterstützen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ist das Anwesen bewohnt, darf stets von einer herzlichen Aufnahme ausgegangen werden. Gegessen wird vorwiegend nahrhaft-ländlich-rustikal.
Von dieser Infrastruktur abgesehen, bietet das Wandern in Norwegen freilich ohnehin Merkmale, die Pilger und Nicht-Pilger schätzen: Entschleunigen und Reduzieren. Wo das Natur-Erlebnis unmittelbar und nicht jeder Meter Pfad zuverlässig ausgetreten ist, wo nicht über jeden Wildbach eine Brücke führt und stellenweise eigene Lösungen gefunden werden müssen, dort kann man sich auf allen nordischen Pfaden der Schöpfung schon sehr nahe fühlen.

 

Foto © CH - visitnorway.com

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Unser Tipp für einen Wanderführer

Wanderführer Olavsweg Norwegen

Norwegen: Olavsweg

Der Pilgerführer „Olavsweg“ aus dem Conrad Stein Verlag beschreibt die als Gudbrandsdalsweg bekannte Strecke von Oslo nach Trondheim. 661 km führen von der Hauptstadt Norwegens zum Nidarosdom, der Grabkirche des heiligen Olavs. Der Wanderführer bietet eine detaillierte Beschreibung der östlichen Wegvariante über Hamar, Lillehammer und das Gudbrandsdal und weist auch auf den weniger gut markierten Abschnitten zuverlässig den richtigen Weg. Karten, Höhenprofile und ein GPS-Track helfen zusätzlich bei der Orientierung. Hilfreiche Tipps zu Übernachtungs-, Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten fehlen ebenfalls nicht, außerdem erfährt man viel über die Sehenswürdigkeiten am Weg und historische Hintergründe des Olavswegs. Zahlreiche Abbildungen und ein kleiner Sprachführer komplettieren den handlichen Pilgerführer.

Hier einfach bestellen: „Olavsweg“ von Hanna Engler, 1. Auflage 2016, Conrad Stein Verlag, ISBN 978-3-86686-479-5, € 16,90